früher | März, 2011

Labor meets Liebe
Familie als Glücks-Bringer?

26 Mrz

Eine Familie macht gesund und glücklich! Aber Moment, fehlt da nicht noch ein bisschen Wahrheit? Woher kommen denn sonst die sex-müden Langzeitpaare und unausgeschlafenen Eltern mehr oder weniger Neugeborener? Heute also: Was die Familie mit unserem Glück macht.

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Der traditionelle Mann baut ein Haus, pflanzt einen Baum und zeugt einen Sohn (möglichst in dieser Reihenfolge). In Münster kann man das zweite Ziel sehr passend mit der Hochzeit (die das dritte Ziel traditionsgemäß einleitet) koppeln. So entstand das obige Foto in Münsters Hochzeitswald, der „Freude und Zuversicht“ der Heiratenden ausdrücken soll. Zuversicht klingt ein wenig nach positiv verzerrter Hoffnung. Doch wie viel realistische Erwartung sollte eigentlich mit einer Hochzeit einhergehen? Zumindest werden heutzutage jährlich immerhin noch doppelt so viele Ehen geschlossen wie geschieden

Die wohltuende Funktion der Ehe fasste Slatcher (2010) sehr umfassend zusammen. Verheiratete sind gesünder als Unverheiratete, was sehr viele Gründe haben kann: Die Ehe ist beispielsweise eine Form des sozialen Miteinanders. Unabhängig vom Trauschein sind Menschen, die viel mit anderen Menschen zusammen tun, gesünder, weil sie zum Beispiel mehr gesundheitsförderliche Aktivitäten machen (zum Beispiel gemeinsam Sport treiben). Außerdem heißt es, dass die Ehe glücklich macht und dieses Glück wiederum führt dazu, dass Menschen mehr auf ihre Gesundheit achten und ein besseres Immunsystem haben. Eine unglückliche Ehe macht diesen Gesundheitseffekt aber sogleich auch wieder zunichte und kann zu Herzkrankheiten und einem verfrühten Tod führen.

Eine Ehe macht also nicht zwangsläufig gesund und glücklich, sondern nur eine gute Ehe. Meltzer und Kollegen (im Druck) empfehlen diesbezügich einen Gewichtsvergleich: Ehen sind insbesondere dann glücklich, wenn die Frau dünner ist als der dazugehörige Mann. Die praktischen Implikationen daraus können sicherlich vielfältig sein („Nimm zu, damit ich nicht abnehmen muss!“) und ich hoffe auf eine Replikation der Ergebnisse, denn das klingt ja schon sehr überraschend. Insgesamt scheinen Verheiratete aber tatsächlich glücklicher zu sein, wie Lucas (2003, 2007) mit Kollegen in sehr vielversprechenden Analysen herausfand, nur: Verheiratete waren schon vor der Heirat glücklicher und das Glückshoch durch die Hochzeit ist nach zwei bis drei Jahren meist schon wieder verpulvert.

Doch was passiert mit dem Glück nach unvorstellbar vielen Ehejahren – macht potentielle Eintönigkeit dann nicht vielleicht das Glück kaputt? Passend dazu konnten Mogilner mit Kollegen (2011) Hoffnung wecken, denn Glück ist eben nicht gleich Glück: Junge Menschen sind glücklicher in aufregenden Zeiten, während ältere Menschen das Glück in friedlichen Zeiten finden. Der junge Leser, der glücklich über sein aufregendes (Beziehungs-)Leben ist, braucht also keine Angst vor einer langweiligen Dauerbeziehung haben, da er dies später vermutlich besonders glücklich machend empfindet.

Neben dem (Ehe-)Partner sind aber natürlich auch Kinder ganz hervorragende Glücksbringer. Wenn nackte Kinderfüße unter Nachthemden oder Schlafanzugbeinchen über das Parkett tapsen und große Kulleraugen Komplimente unterstreichen („Mami, Du bist so schön wie eine Prinzessin!“), dann wird der Lebensmittelpunkt wieder an den richtigen Platz gerückt und das Glücksgefühl schwirrt umher wie ein Jahrtausend-Feuerwerk. Konträr zu diesen Empfindungen zeigt sich allerdings, dass die Geburt eines Kindes keineswegs ein Glücks-Garant ist. Vielmehr sinkt die Zufriedenheit sogar sowohl beträchtlich als auch langfristig. Nur ist dieser Glückseinbruch vermutlich weniger den liebenswerten Lebenssinn-Gebern anzulasten als vielmehr den typischen Begleiterscheinungen wie wenig Schlaf, weniger Zeit der Eltern füreinander, der Umstellung des Alltags, Hürden und Grenzen bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf und so weiter und so fort.

Bei diesen Ergebnissen kann man ja schon fast von Glück sprechen, dass überhaupt noch Kinder geboren werden, wenn natürlich derzeit in Deutschland auch viel zu selten. Doch warum bekommen glücks-gierige Menschen denn überhaupt Kinder? Früher konnten die Nachteile die mit Kindern einhergehen mit der mangelnden Möglichkeit der Verhütung und wirtschaftlicher Notwendigkeit wett gemacht werden (in Zeiten, in denen die Kinderarbeit zum Alltag gehörte). Doch die moderne Natur bringt auch heutzutage, wo diese Argumente nicht mehr zählen, die potentiellen Eltern dazu sich fortzupflanzen und zwar durch Idealisierung, wie Eibach und Mock (2011) herausfanden: Wenn Menschen bewusst gemacht wird, dass es doch eigentlich irrational sei ein Kind zu bekommen (gemessen an den damit einhergehenden Nachteilen), dann idealisieren diese die Elternschaft in übertriebenem Maße, um auch vor sich selbst zu rechtfertigen, warum der Nachwuchs eine gute Entscheidung ist.

Und was bleibt nun an praktischen Implikationen nach diesen ups-and-downs des Familien-Glücks? Die Autorin rät: Heiratet und kriegt Kinder (oder andersherum)! Aus wissenschaftlicher Sicht sei geraten, dass gute Menschen im nahen Umfeld auch Gutes bringen – mit oder ohne Trauschein, als Freund oder als Familienmitglied. Von schlechten Beziehungen sei allerdings auch aus gesundheitlicher Sicht abgeraten. Wer sich von der Ehe den Glücks-Bringer schlechthin erhofft wird wohl enttäuscht werden und selbst Kinder, für sich genommen eigentlich das größte Glück überhaupt, gehen mit einigen Glücks-Einschränkungen einher, da heißt es dann: eigene stetige Versicherung, dass selbst die schrägsten Phasen irgendwann einmal ein Ende haben und danach gewiss das uneingeschränkte Glück auf allen Ebenen im Überfluss folgt (→ Idealisierung).

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Vielen Dank an dieser Stelle heute insbesondere an die Lieblingsliebsten, durch die eben doch das tägliche Glück in Überdosis gesichert ist.

Und beim nächsten Mal dreht es sich bei Labor meets Liebe übrigens um Virtuellen Sex oder die Suche danach.

Labor meets Liebe
Ich liebe Dich – drei kleine Worte mit einem großen Unterschied

20 Mrz

Es scheint als führten drei kleine Worte mit eigentlich herzerwärmender Bedeutung in den meisten Fällen automatisch zu kopfloser Panik. Doch wenn Liebe machen nicht zwangsläufig einhergeht mit lieben, wann ist dann eigentlich der optimale Zeitpunkt für Ich liebe Dich?

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Als Marissa das Offensichtliche endlich in Worte fasste, bekam sie von Ryan, genauso wie Leonard später von Penny, die undankbaren Worte „Thank you“ aus einem Gesicht voller Entsetzen erwidert. Für die (Serien-)Unerfahrenen gibt’s hier und unten als kleine Einstimmung in die Thematik die Schlüsselszenen dazu:

Marissa und Ryan in O.C., California

http://www.youtube.com/watch?v=DueYhp8kvZ4&feature=related

An dieser Stelle zeigt sich sehr deutlich der Gegensatz zwischen der nicht-involvierten Wissenschaftlerin (mir), die mit dererlei Panik aus eigener Erfahrung nichts anzufangen weiß (vielleicht weil sie den Lieblingsliebsten bereits mit naiven 16 Jahren kennenlernte), und dem normalen Allerweltsmenschen. So frage ich mich, gibt es dazu ein Äquivalent im deutsch-sprachigen Raum und ist es dementsprechend hier heutzutage gleichermaßen kompliziert? Kann ich (ohne damit als anhängliche Klette dazustehen) von einer temporären Liebschaft behaupten „I’m seeing someone“ oder fühlt sich dieser dann vielleicht sogar abgewehrt, weil er sich schon auf der Stufe „I go out with someone“ fühlt? Ist „I’m dating someone“ erst dann angemessen, wenn sich beide offiziell zueinander bekennen (was meist eine gewisse derzeitige Monogamie voraussetzt) und ab wann bin ich eigentlich „in love with someone“ und folgt später dann erst das „I love someone“ in seiner absolutesten Form? Oder ist so eine Hierarchie nur eine Illusion?

Nicht illusionär sind zumindest die Studien, in welchen sich die Autorin dann selbst auch besser auszukennen meint. Den perfekten Zeitpunkt für sie und ihn und diese drei Worte untersuchten Ackerman und Kollegen (im Druck). So sind, ganz deckungsgleich mit küchen-psychologischem Alltagswissen, Frauen allgemeinhin ja schon prädestiniert für emotionale Überschlagungen, wobei die emotional zurückhaltenden Männer aber doch tatsächlich eher an die immerwährende Liebe glauben. Und, in Anlehnung an frühere Studien, halten Ackerman und Kollegen in betriebswirtschaftlicher Manier doch tatsächlich fest, dass in Beziehungen „women tend to „sell“ and men tend to „buy“ sexual access“. Der charmante Schreibstil der drei verschont sie an dieser Stelle jedoch vor mahnenden Worten.

Die Ergebnisse von Ackerman und Co zeigen jedenfalls, dass man zwar meint, dass Frauen eher Ich liebe dich sagen, es tatsächlich aber die Männer sind. Zum Timing: Der typische Mann freut sich über ein Liebes-Bekenntnis vor dem ersten Sex (er sieht vermutlich seine Chancen auf darauf folgenden Sex steigen), während die Frau sich über solche Worte insbesondere nach dem Sex freut (sie schließt daraus wohl, dass er sie mag, obwohl er ja schon hatte, was er eigentlich nur wollte). Auch sehr interessant: Der vor dem ersten gemeinsamen Sex „liebende“ Mann wirkt auf die Frau weniger ehrlich (hier wird wohl unterstellt es ginge ihm nur um das, um was es dem typischen Mann aus evolutions-psychologischer Sicht vermutlich auch hauptsächlich geht).

Nach dieser Studie bleibt allerdings weiterhin offen, wie mit so unglücklichem Timing, wie ersten Liebes-Bekenntnissen beim Sex, umgegangen werden soll. Da diese vermutlich hauptsächlich aus überschwänglichen Glücks-Gefühlen resultieren, sollten sie aber wohl nicht allzu persönlich genommen werden.

Nun bleibt jedoch weiterhin die Frage: Wann darf man sich trauen das implizit Offensichtliche in etwas explizit Offensichtliches zu wandeln, indem man dem Partner die Liebe gesteht? Hierzu ist vielleicht wichtig zu wissen, dass es, zumindest nach kurzer Zeit, kaum möglich ist einzuschätzen, ob das Interesse am Flirt-Partner auf Gegenseitigkeit beruht, wie Mitja Back mit Kollegen (im Druck) herausfand. Trotz gegenseitigem Flirten, war das Interesse aneinander überraschend nicht-äquivalent. Biesanz und Kollegen (im Druck) schwächen dies für ähnliche Situationen zumindest insofern ab, als dass sie herausfanden, dass man richtiger liegt, wenn man glaubt richtiger zu liegen (wenn auch nur ein wenig). Und DeScioli und Kollegen (2011) haben, zumindest im Freundschaftskontext, herausgefunden, dass die Wichtigkeit von Personen sogar sehr stark auf Gegenseitigkeit beruht (im Sinne von: Magst Du mich, dann mag ich Dich).

Doch was bleibt am Ende dieser Erkenntnisse? Dem Mann sei geraten der wahrhaftig geliebten Frau nach dem ersten Sex dies auch zu berichten, sie wird sich vermutlich darüber freuen (Penny aus unserem verlinkten Eingangsbeispiel bildet hier also anscheinend eine Ausnahme). Die Frau wird dem Geliebten mit einem Bekenntnis schon vor dem Sex zwar eine größere Freude machen, sollte sich aber darüber bewusst sein, dass die Freude sich lediglich als Vorfreude auf den erhofften Sex entpuppen kann. Sicher sein, ob der Andere genauso fühlt, kann man sich nie; nach sehr kurzer Zeit ist ein Vorausahnen der Gefühle des Anderen aber zumindest trotz überzeugenden Flirtens kaum möglich und nur dann halbwegs erfolgsversprechend, wenn man sich der Gefühle des Anderen sehr sicher fühlt.

Übrigens scheint es laut Ackerman und Kollegen (im Druck) durchaus verbreitet zu sein nach circa 4-5 Monaten von Liebe zu sprechen und insgesamt scheint die Liebe von den meisten Menschen wohl doch eher positiv als panikbezogen wahrgenommen zu werden, wie Topolinski (im Druck) in einer witzigen Studie zu einem anderen Thema zeigte, aber dazu vielleicht später einmal mehr…

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Vielen Dank an dieser Stelle insbesondere an Stefan und Sascha für anregende Diskussionen zu diesem Thema. Beim nächsten Mal geht es in der Reihe Labor meets Liebe übrigens um die Frage Familie als Glücksbringer?

Labor meets Liebe
Die Pille als Spielverderberin und andere hormonale Kuriositäten

13 Mrz

Foto von selva

Die moderne Frau ist seit den 60er Jahren durchweg schwanger. Zumindest pseudo-schwanger. Doch statt zwangsläufig mit einem dicken Bauch, geht dies mit zuverlässigen 28-Tage-„Zyklen“ einher. Neben den zahlreichen Vorteilen der Pille gerät eines häufig in Vergessenheit: Der Reiz der fruchtbaren Frau.

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Für die Striptease-Tänzerinnen unter den Lesenden ist die praktische Implikation in dieser Woche so eindeutig, dass ich in mit-der-Tür-ins-Haus-fallender Manier schon jetzt empfehlen kann: Setzt die Pille ab!  Tänzerinnen in diesem Metier verdienen dann nämlich bedeutend mehr (fast 150%!) als ihre hormonell verhütenden Konkurrentinnen, wie Miller mit Kollegen (2007) herausfand. Da sich das Gehalt in dem untersuchten Nachtclub aus der Anzahl der Lap Dances ergab, kann auf einen sehr deutlichen Zusammenhang zwischen dem hormonellen Zustand der Tänzerinnen und ihrem Eindruck auf die Männer geschlossen werden. Ob dieser Vorteil auch in anderen, weniger sexuellen Berufen, erhalten bleibt, bedarf allerdings noch weiterer Untersuchungen.

Weit weniger weiterer Untersuchungen bedarf der Fakt, dass Frauen während ihrer fruchtbaren Tage attraktiver wirken. Miller und Maner (2011) haben hierzu sehr schön verschiedene Studien zusammengefasst, in denen herausgefunden wurde, dass sowohl der Geruch, die Stimme und das Gesicht, als auch der Körperbau während der „echten“ fruchtbaren Tage (wenn also nicht hormonell verhütet wurde) deutlich attraktiver wirkt. Frauen scheinen in dieser Zeit sogar symmetrischer auszusehen (soviel zu dem Versprechen der letzten Woche). Mit der erhöhten Attraktivität geht dann auch schnell sexuell gefärbtes Denken und Verhalten der Männer einher. Da müssen die Herren nur einmal an einem T-Shirt riechen, das eine Frau während ihrer fruchtbaren Tage trug, und schon sprudelt es im Gehirn nur so vor sexuellen Worten.

Abbildung von Thomas Steiner
(die Fruchtbarkeit ist meist 9-17 Tage nach dem Beginn der Blutung am Höchsten,
also in den Tagen vor bis kurz nach dem Eisprung)

Doch nicht nur die Männer spielen verrückt, auch die Frauen verändern sich. Wie Miller und Maner (2011) zusammenfassten haben Frauen in dieser Zeit erhöhtes sexuelles Verlangen, steigern ihre Partnersuche und kleiden sich anzüglicher. Ein schönes Beispiel dazu liefert Guéguen (2009): Er schickte attraktive junge Männer in die Fußgängerzone um Damen ungefähr so anzusprechen:

„Hallo, ich heiße Antoine. Ich wollte Dir nur sagen, dass Du wirklich hübsch bist. Ich muss heute Nachmittag arbeiten und habe mich gefragt, ob Du mir Deine Telefonnummer geben würdest. Ich würde Dich dann später anrufen und wir könnten zusammen etwas trinken gehen.“

Ein Antoine klingt schon sehr reizvoll, aber das Experiment fand in Frankreich statt und da ist Antoine ungefähr so verbreitet wie hierzulande Paul. Zugeneigt bei diesem Wasserfall der Zuneigungsbekundungen zeigten sich jedenfalls vor allem die Nicht-Pillen-Nutzerinnen (im Vergleich zu den Pillen-Nutzerinnen) und außerdem eher die Frauen in ihren fruchtbaren als nicht-fruchtbaren Tagen.

Die Lasterhaftigkeit der Damen geht sogar so weit, wie Guéguen (2009) zusammenfasst, dass sie sich während ihrer fruchtbaren Tage ihrem Partner weniger verpflichtet fühlen und die Wahrscheinlichkeit für Untreue um das 2,5-fache steigt. Das lässt sich vielleicht so erklären, dass Frauen allgemeinhin für langfristige Beziehungen verantwortungsvolle, liebevolle und treue Männer bevorzugen. Diese sichern eine gute Versorgung. Wenn die Fruchtbarkeit aber ihren Peak erreicht zählt vor allem gutes genetisches Material, was die Damen eher bei großen, maskulinen und dominanten Männern erwarten.

Die Implikationen für den Praktiker sind in dieser Woche vielfältig: Nehmen wir die Frau, die solo ist und/oder einen Flirt genießt: Sie sollte möglicherweise auf die Pille verzichten, denn so wirkt sie auf Männer attraktiver und wird mehr Spaß und Erfolg beim Flirten haben.

Männer mit einer großartigen Frau sollten dieser gegenüber vielleicht eher die Vorteile der Pille hervorheben um die Wahrscheinlichkeit für Fremdgeh-Lust und Fremdgeh-Angebote zu vermindern. Wenn dieser Versuch scheitert sei es während der fruchtbaren Tage dann ausnahmsweise gestattet die Macho-Facetten weniger zu unterdrücken. Dann heißt es Brust raus, Schultern zurück und Dominanz zeigen. Wer sich fragt wann eigentlich welche Tage bei der Lieblingsliebsten aktuell sind, kann sich eine entsprechende kostenfreie App herunterladen (beispielsweise hier für das iPhone und hier für Android).

Männer auf der Suche nach einer kurzfristigen Beziehung sollten auf jeden Fall (neben krankheitsbedingten Überlegungen) auf ein Kondom bestehen, da die Frau, mit der sie den Zwischendurch-Spaß teilen wollen, eher nicht die Pille nimmt (deshalb ist sie so attraktiv) und sich eher in ihren fruchtbaren Tagen befindet (deshalb wirkt sie umso attraktiver und lässt sich eher auf diese Spielerei ein).

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In der nächsten Woche geht es dann übrigens um Ich liebe Dich – drei kleine Worte mit einem großen Unterschied.

Labor meets Liebe
Speed-Dating

5 Mrz

Foto von Todd Shaffer

„Es ist doch spannend, dass man heutzutage reden können muss um Sex zu haben.“, so wird es (von männlicher Seite) resigniert im Film Shoppen festgestellt und nicht nur dort. Speed-Dating ist kein Vorspiel für den Quickie, sondern eine eigene Kunst für sich und wovon der (wie auch immer geartete) Erfolg abhängt, ist das Thema dieser Woche.

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Speed-Dating ersetzt das gefürchtete Ansprechen fremder Personen und verhindert langatmige Abende mit doch nicht ganz so besonderen Menschen. Wem es an Gelegenheiten oder Mut mangelt interessante Mitmenschen im Alltagstrubel anzusprechen, der kann beim Speed-Dating auf dieses lästige Vorspiel verzichten. An einem Abend trifft man so gern mal 10 oder sogar mehr potentielle Partner, deren Dating-Tauglichkeit dann im Akkord und nicht wie konventionell notwendig über mehrere Wochen hinweg an einzelnen Abenden ausgetestet werden kann. Doch neben der Frage, ob einem zwischen all den Kandidaten auch der ideale Partner gegenübersitzen wird, stellt sich häufig auch die Frage: Wie schaffe ich es dieser Person in 3 Minuten deutlich zu machen, dass wir zusammen gehören?

Wie ein Speed-Dating ablaufen kann zeigen übrigens sehr anschaulich und amüsant die Herren Harald Schmidt und Oliver Pocher (wobei sich Fragen wie an Tisch 2 „Wo habt Ihr Euch kennengelernt?“ wohl eher nicht eignen, sofern man Ex-Freunde nicht zum Gesprächs-Thema-Nr.1 werden lassen möchte):

Das Wichtigste beim Speed-Dating ist das Aussehen, denn mit der Attraktivität steigt auch die Wahrscheinlichkeit gewählt zu werden. Asendorpf und Kollegen (2011) fanden sogar heraus, dass sich Männer bei ihrer Wahl allein auf solche offensichtlichen Kriterien verlassen. Frauen, in jungen Jahren generell umworbener und damit einhergehend auch wählerischer, bewerten da differenzierter: Neben dem Aussehen kommt es ihnen beispielsweise auch auf Bildung und Einkommen des Gegenüber an. Bemerkenswerterweise wirken darüber hinaus insbesondere solche Männer attraktiv, die wenig sexuell gehemmt (also auch potentiell fremdgeh-gefährdet) sind; vermutlich dient diese Eigenschaft als Zeichen für erfolgreiche Beziehungserfahrung. Doch was bedeutet eigentlich „Attraktivität“ und inwiefern lässt sich diese Speed-Dating-vorbereitend optimieren?

Schön wirken laut Zebrowitz und Montepare (2008) beispielsweise meist Personen mit symmetrischem Gesicht und jugendlichem Aussehen. Aus evolutions-psychologischer Sicht sind dies nämlich Zeichen für eine gute Gesundheit und prächtigen Nachwuchs, weshalb attraktiven Menschen allgemein allerlei positive Eigenschaften zugeschrieben werden (beispielsweise Intelligenz, Aufgeschlossenheit, Macht und soziale Kompetenz), was in gewissem Maße sogar zutrifft. Nun kann der Mensch an dieser Art der Attraktivität aber leider wenig ändern (über eine Ausnahme könnt Ihr hier in der nächsten Woche lesen). Der gute Mitja Back hat mit Kollegen (in press) jedoch herausgefunden, dass auch beeinflussbarere Äußerlichkeiten wie die Übereinstimmung in der Kleiderwahl und Subkultur bestimmt wie attraktiv wir uns in so kurzer Zeit finden.

Aus der letztgenannten Studie lässt sich auch schlussfolgern, dass Personen, die sich bezüglich ihrer Speed-Dating-Chancen sorgen, dies auf ihren Hang zum niedrigen Selbstwert und stärker ausgeprägten Neurotizismus zurückführen können. Beides war in dieser Studie jedoch kein Grund dafür tatsächlich geringere Chancen zu haben. Das heißt, wenn Ihr Euch sorgt, dann seid Euch darüber bewusst, dass Eure Sorgen höchstwahrscheinlich unbegründet sind. Viel wichtiger für den Speed-Dating-Erfolg ist die Extraversion, die sich beispielsweise darin zeigt wie gesprächig, aktiv und enthusiastisch eine Person ist. Auch erfolgsversprechend sind in solchen Situationen narzisstische Eigenschaften, wie beispielsweise eine selbstzentrierte Denkweise. Da diese Eigenschaft aber nur sehr kurzfristig attraktiv wirkt und es laut Asendorpf und Kollegen (2011) beim Speed-Dating vornehmlich um die Suche nach Langzeit-Beziehungen geht, sei davon abzuraten sich ein solches Merkmal anzutrainieren.

Doch neben diesen Äußerlichkeiten bleibt die Frage: Wie sollte man sich beim Speed-Dating eigentlich verhalten? Eastwick und Kollegen (2010) haben herausgefunden, dass das Verhalten gegenüber der Gesprächsperson deutlich wichtiger ist als sich selbst in gutem Licht darzustellen. Das heißt: Interesse zeigen, indem man beispielsweise Fragen stellt und zustimmend nickt, Blickkontakt halten, Lächeln und zeigen, dass man aufmerksam zugehört hat wird dem attraktiven Selbstdarsteller gefährliche Konkurrenz machen.

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Was bleibt nun nach all den Studien? Personen mit One-Night-Stand-Ambitionen sind vermutlich erfolgreicher auf konventionellem Wege in der gemütlichen Kneipe oder hämmernden Disko mit Alkohol im Blut und zu später Stunde. Die meisten Menschen benötigen vermutlich keine 3 oder 5 Minuten um den potentiellen Traumpartner zu identifizieren, da sowieso hauptsächlich das Aussehen bei dieser Art der Partnerwahl ausschlaggebend ist (es genügt weniger oder wird bei differenzierteren Entscheidungen deutlich mehr Zeit benötigt). Wer dennoch statt Online-Partner-Börse die Interaktion bevorzugt sollte sich dann am Besten lebenslustig, gesellig und interessiert geben und nicht allzu pessimistisch bezüglich der eigenen Chancen sein (das wäre wohl sowieso nicht realitätsgerecht).

In der nächsten Woche dreht sich dann übrigens alles um das Thema Die Pille als Spielverderber und andere hormonale Kuriositäten.