früher | Mai, 2011

Labor meets Liebe
Schau mir in die Augen, Kleines – oder vielleicht besser doch nicht?

29 Mai

Foto von Brandon Christopher Warren

Wie hübscht man sich online auf? Wie sollte man die Affinität für Sex beim ersten Date erfragen? Und was macht ein Vegetarier im Bett? Antworten zu diesem Fragen-Potpourri gibt’s bei den mächtigen OkCupid-men.

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Die Liebe ist kalkulierbar, dachten sich Chris Coyne, Sam Yagan, Max Krohn und Christian Rudder und gründeten OkCupid – the best dating site on Earth (so zumindest die Selbsteinschätzung). Und neben großem Geflirte und tiefgründigen Persönlichkeitstests, gibt’s zusätzlich noch Dating-Statistiken, herzerwärmend aufbereitet von Christian Rudder. Ein paar Eindrücke:

Die Frau auf dem Online-Dating-Markt

Attraktivität ist für Frauen, wie gewohnt, ein Vorteil. Immerhin 2/3 der Nachrichten von Männern gehen an das hübscheste Drittel der Frauen. Dennoch ist die Attraktivität allein kein Erfolgs-Garant. Statt durchweg recht positiver Attraktivitätseinschätzungen ist es erfolgsversprechender vereinzelt als „super heiß“ eingeschätzt zu werden (auch wenn andere Männer konträrer Ansicht sind). Polarization is the key! Für diejenigen, denen es an umwerfender Natur-Schönheit mangelt bieten sich deshalb Extravaganzen an, das heißt: Wenn schon nicht alle Männer erobern, dann wenigstens eine liebenswürdige Randgruppe bis zur Hyperventilation begeistern. Als Mittel bieten sich große/bunte Tattoos, Piercings an abgefahrenen Stellen, knallige Haarfarben und asymmetrischen Frisuren an (zumindest sofern man auf Männer steht, die auf solche Frauen stehen).

Nun eignet sich ein biometrisches Passbild nicht besonders zum anmachen. Viel besser funktioniert ein flirty Blick. Ganz wichtig ist hierbei der Blickkontakt, denn fehlt dieser werden die Annäherungsversuche fast ganz ausbleiben. Ein bisschen mehr vom Dekolleté lockt außerdem Männer an, allerdings nicht unbedingt langfristig. Und lächeln ist immer gut. Posiert eine Frau mit einem Tier, dann sinken die Kontaktaufnahmen in den Keller. Die Kontakte, die dennoch ankommen führen dann aber wenigstens zu einer richtigen Unterhaltung. Fazit: Lächeln und angucken, je nach Ziel (one-night stand vs. never-ending love) das Haustier lieber weglassen oder in den Fokus rücken.

Der Mann auf dem Online-Dating-Markt

Frauen sind bei ihrer Attraktivitätseinschätzung deutlich kritischer als Männer. 80% der Männer sehen ihrer Einschätzung nach unterdurchschnittlich gut aus. Doch keine Sorge, Frauen daten auch unattraktive Männer. Der tiefe Ausschnitt der Frau ist der freie Oberkörper beim Mann: Unter 30-Jährige profitieren bei vorhandenen Muskeln vom abhandenen T-Shirt. Genau wie bei den Frauen ist fehlender Blickkontakt gekoppelt mit einem flirty Gesichtsausdruck ein Kontakthemmer. Konträr zu den Frauen hat ein Mann allerdings dann besonders Erfolg, wenn er weder lächelt noch Blickkontakt hat. Und ein Tier auf dem Foto ist auch vorteilhaft, egal welche Strategie verfolgt wird.

Unisex-Tipps

  1. Ein Handyfoto führt meist zu nicht besonders attraktiven Fotos. Wenn schon vom Handy, dann am besten vom iPhone, denn iPhone-Nutzer haben wenigstens mehr Sex (ca. 11 Sexpartner; im Vergleich dazu hat ein Blackberry-Nutzer ca. 8 und ein Android-Nutzer ca. 6 Sexpartner bis zum Alter von 30 Jahren gehabt).
  2. Mit dem Alter sinkt auch die Attraktivität. Wer diesen Trend bremsen möchte sollte sich ins rechte Licht rücken. Eine Person in ihren besten Jahren (25!) kann ohne Blitz nämlich so attraktiv aussehen wie eine 18-jährige, sähe mit Blitz aber bereits aus wie eine 32-jährige Person.
  3. Wer alle Möglichkeiten ausschöpfen will (oder muss), sollte Tiefenunschärfe nutzen und am späten Nachmittag oder nachts fotografiert werden (welcher Zusammenhang auch immer dafür verantwortlich ist…).
  4. Und wenn wir gerade beim aufhübschen sind: Männer und Frauen machen sich online 5 cm größer. Und die Größe hat durchaus auch seine Vorteile, zumindest haben größere Menschen auch mehr Sex. Die in diesem Sinne ideale Größe für den Mann sind 1,96 m, für die Frau 1,78 m. Man fragt sich jedoch: Wird hier wirklich nur bei der Körpergröße geschummelt oder vielleicht auch beim Sexleben ein bisschen dazugedichtet?
  5. Bei unspektakulärem oder aktiv unhübschem Gesicht kann übrigens auf dem Dating-Foto auf dieses verzichtet werden. Ist das Gesicht nämlich nicht zu sehen, werden die potentiellen Partner nicht misstrauisch, sondern bleiben genauso aufgeschlossen zur Kontaktaufnahme. Zumindest solang man das Fehlen adäquat kompensiert (hier ist Kreativität gefragt!).

Zum Glück geht es aber selbst beim Dating nicht nur um Äußerlichkeiten. Hat man sich ein ansehnliches Exemplar ausgeguckt entstehen meist ganz neue Fragen. Zum Beispiel: Besteht die Chance die Person beim ersten Date zum sexuellen Höhepunkt zu kriegen? Zumindest in den USA scheint das ein Riesenthema zu sein und ist dort unter Frauen flächendeckend verpönt. Um diesbezüglich nicht mit der Tür ins Haus zu fallen, bietet es sich deshalb an behutsam nach der Biervorliebe zu fragen, denn diese ist ein hervorragender Prädiktor für dieses lasterhafte Hingeben: Unter Bier-Liebhabern ist die Wahrscheinlichkeit für Sex beim ersten Treffen um 60% höher (ob Wein vergleichbar zügellos macht?).

Ist man jedoch auf der Suche nach Langfristigem (nicht, dass sich beides ausschließen muss), dann empfiehlt es sich drei Fragen zu stellen: (1) Magst Du Horror-Filme?, (2) Bist Du jemals in einem anderen Land allein herumgereist? und (3) Wäre es nicht spaßig alles hinzuwerfen und auf einem Segelboot zu leben? Stimmen die Antworten des Befragten mit den eigenen Vorlieben überein sollte man versuchen ein Date klarzumachen. Diese drei Fragen sind bei erfolgreichen Beziehungen nämlich bedeutend häufiger gleich ausgeprägt als andere (da können selbst Fragen nach Gott, der Wichtigkeit von Sex und dem Rauchverhalten einpacken).

Und was macht nun der Vegetarier im Bett? Tja, das muss der Lesende vermutlich selbst herausfinden, sofern er/sie es noch nicht getan hat (unwahrscheinlich – verantwortungsvolles Essen scheint ja weiterhin modern zu sein). Als kleiner Appetizer sei nur schon mal gesagt: OkCupid-Vegetarier genießen es laut Statistik bedeutend mehr, Oralsex zu geben als der Rest der OkCupid-Welt.

Dem Lesenden seien die Handlungsempfehlungen ans Herz gelegt, auch wenn die dahinterstehenden Zusammenhänge nicht immer klar und vor allem nicht wissenschaftlich fundiert sind, denn eine Korrelation verspricht ja bekanntlich nicht zwingend Kausalität. Etwas wissenschaftlicher betrachten das Phänomen „Happy guys finish last“ Tracy und Beall, die auch zu dem Schluss kommen, dass sich Männer für eine Portion Sexappeal das Lächeln besser verkneifen sollten.

Und abschließend noch der Beweis, dass Christian Rudder nicht nur mit Zahlen jonglieren und Worten brillieren kann, sondern auch musikalisch verzaubert:

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Vielen Dank an dieser Stelle an Micha, der mich auf OkCupid aufmerksam machte!

Labor meets Liebe
Good girl or bad girl, Teil 2: Was tun, nachdem es passiert ist?

20 Mai

Foto von Gabriela Camerotti

Nach einem leidenschaftlichen Höhepunkt für zwei der Beteiligten beginnen nach einem Seitensprung die Herausforderungen einer Dreiecksbeziehung. Welche negativen und vielleicht auch positiven Konsequenzen haben solche Affären für die Involvierten und wie macht man das Beste aus dem Geschehenen?

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Drei von vier Menschen finden Untreue ausnahmslos falsch. Unter den Untreuen finden sich allerdings 9 von 10, die diese dann doch irgendwie rechtfertigen können. Männer meist durch Betonung des Vergnügens („Es hat doch so gerockt!“) und Frauen mit Betonung der Verbundenheit („Wir waren uns so nah!“).  Trotz eigener Rechtfertigung ist Untreue aber immer noch der Scheidungsgrund Nummer 1. Jedoch meist nicht direkt durch die Affäre selbst, sondern durch die damit einhergehenden Konflikte wie Vertrauensverlust, Streit, verminderte Selbstsicherheit und Angst vor Ablehnung. Und obwohl viele angeben, dass sie sich bei Untreue des Partners trennen würden (60%), tut es dann letztendlich doch nur jeder 4. davon. Dennoch erhöht Untreue das Risiko für emotionale Probleme, beispielsweise Depression.

Manche können einem solchen Konflikt aber auch etwas Positives abgewinnen. In einer qualitativen Studie von Olson und Kollegen (2002), berichtete beispielsweise eine Frau „It did bring us closer together.“ und eine fand für sich heraus „…how you’ve got to work on your marriage daily. How important communication with your spouse is. That’s the most important lesson I’ll probably take out of this.“

Untreue führt aber nicht nur zu Glück oder Unglück, sondern ist selbstverständlich vielschichtiger. Ein Perspektiv-Wechsel:

Der/die Untreue

Ungefähr 80% der Menschen sind treu. Die restlichen 20% kommen im Laufe ihrer Beziehung mal vom Weg ab, allerdings nicht besonders häufig. Nur 3% der Gebundenen berichten einen Seitensprung im letzten Jahr. Männer können dabei erstaunlich gut zwischen Sex und Liebe trennen, während Frauen prädestiniert dafür sind sich auch emotional zu verwickeln. Sehr treffend und in wunderbar kitschig-naiv leuchtenden Farben erklärt Nora Tschirner alias Anna im Film Keinohrhasen das Phänomen „letzte Cola in der Wüste“:

http://www.youtube.com/watch?v=x8BnkCZ50UY

Obwohl Geheimnistuerei auch seine Nachteile hat (sich beispielsweise negativ auf eine Paartherapie auswirken kann), empfiehlt es sich im Normalfall hier aus der Mücke keinen Elefanten zu machen. Ein offenes Aussprechen mindert zwar die eigenen Schuldgefühle („geteiltes Leid ist halbes Leid“), mutet dem Betrogenen aber allerhand zu. Wie tolerant der Partner bezüglich der Untreue ist, ist von zahlreichen Faktoren abhängig, beispielsweise der Bildung (gebildete Menschen sind freizügiger), der Kultur (in Russland, Bulgarien und Tschechien ist man beispielsweise unverkrampfter) und der eigenen Fremdgeh-Geschichte (Fremdgeher sind fairerweise auch ihren Partnern gegenüber nachsichtiger).

Zumindest im allgemeinen kriminologischen Setting beobachteten Nordgren und McDonnell (2011) das Scope-Severity Paradox: Straftaten mit wenig Opfern werden als schlimmer bewertet als Straftaten mit mehr Opfern. Dieser scheinbare Widerspruch beruht darauf, dass man von einzelnen Opfern ein konkreteres und persönlicheres Bild entwickelt als von einer größeren und anonymen Menge. Dies lässt sich vermutlich auch auf Beziehungen übertragen: Ist man durch 10 verschiedene Betten gehopst wird der Partner einem vermutlich weniger emotionale Untreue unterstellen (was insbesondere Frauen besänftigen kann) als wenn man 10 Mal in das gleiche Bett geschlüpft ist.

Der/die Betrogene

Die betrogene Person ist zum einen meist verletzt, fragt sich zum anderen aber häufig auch nach den Ursachen beziehungsweise dem eigenen Anteil daran. Tatsächlich ist es so, dass mit steigender Unzufriedenheit in der Beziehung auch das Risiko für das Fremdgehen steigt. Wichtig hierbei ist, dass der Einfluss der primären Beziehung aber eher klein ist und eher mit emotionaler Untreue, anstatt sexueller Untreue, verbunden ist.

Die Hälfte der Seitensprünge passiert übrigens mit Arbeitskollegen und dabei spielt die potentielle Unzufriedenheit in der Beziehung überhaupt keine Rolle. Hier scheint sich eher das Sprichwort „Gelegenheit macht Diebe“ übertragen lassen. Die eigene Bedeutung in der fremden Zweisamkeit kann also vernachlässigt werden, was einerseits tröstend sein kann („Der Grund für den Seitensprung ist nicht seine/ihre Unzufriedenheit mit mir“), andererseits auch belastend („Die Beziehung kann noch so schön sein, eine Garant für Treue ist es dennoch nicht“).

Der/die Dritte

Sehr wenig Beachtung findet häufig die Rolle der dritten Person. Statt wissenschaftlicher Fundierung ist hier eine künstlerische Herangehensweise empfohlen: Mistresses. Eine wunderbare Serie der BBC, die vier Freundinnen in jeder Rolle betrachtet (als Betrogene, Betrügende und Geliebte).

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Vielen Dank an dieser Stelle an Sophie, die durch ihren Kommentar unter dem letzten Blog-Eintrag zu diesem Eintrag anregte. Für diejenigen, deren Wissensdurst zu diesem Thema noch nicht gestillt ist, empfiehlt sich ein sehr schöner Überblicksartikel von Blow und Hartnett (2005), der auch für Nicht-Psychologen gut verständlich ist.

Labor meets Liebe
Good girl or bad girl?

7 Mai

Foto von Helga Weber

Im Allgemeinen wird den Herren der Schöpfung häufiger notorische Untreue unterstellt. Aber trifft das wirklich zu? Und was ist eigentlich schlimmer, sexuelle oder emotionale Untreue? Und warum überhaupt dieses ganze Schlamassel?

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Gebundene Männer sind anfälliger für Verführungen als gebundene Frauen. Heißt es oft. Dass das so nicht ganz richtig ist zeigte Lammers mit Kollegen in einer aktuellen Studie (in press): Sie führen das höhere Risiko zur Untreue nicht auf das Geschlecht zurück, sondern auf den Erfolg. Ihrer Beobachtung nach gehen nämlich erfolgreiche Menschen eher fremd, egal ob es sich dabei um einen erfolgreichen Mann oder eine erfolgreiche Frau handelt. Nun beschert uns die wachsende Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau immer mehr erfolgreiche (und damit potentiell lasterhafte) Frauen und diese verfallen den Verführungen anscheinend ebenso wie ihre männlichen Kollegen.

Aber warum eigentlich – was hat Erfolg mit Untreue zu tun? Lammers und Kollegen stellten fest, dass der Effekt nicht dadurch entsteht, dass sich erfolgreiche Menschen so sehr in ihre Arbeit stürzen, dass sie sich von ihrem Partner entfremden. Auch trauen sich erfolgreiche Menschen nicht eher das Risiko des Fremdgehens einzugehen, weil sie beispielsweise auf Geschäftsreisen – dem Schlaraffenland des Fremdgehens – unentdeckt fremde Betten testen können oder weil sie allgemein das Risiko lieben, im Beruf wie in der Beziehung. Vielmehr sind erfolgreiche Menschen deshalb eher untreu, weil sie selbstsicherer sind. Oder andersherum: Der nicht-erfolgreiche Mensch ist deshalb eher treu, weil es zu wenig Selbstsicherheit für eine weitere Liebschaft hat.

Aus evolutions-psychologischer Sicht empfiehlt es sich für den Mann möglichst viele Frauen zu erobern. So kann er seine Gene breit streuen und viele niedliche Kinder zeugen, um deren weitere Entwicklung sich dann selbstverständlich die Frau bemüht. Die Frau im evolutions-psychologischen Sinne ist dagegen monogam hingebungsvoll. Schließlich ist sie darauf angewiesen vom eigentlich flatterhaften Mann unterstützt zu werden. Glücklicherweise erstreckt sich der Horizont der modernen Frau mittlerweile über Kinder, Küche und Kirche hinaus und damit war’s das auch schon mit monogam hingebungsvoll.

Heutzutage müsste es sich also eigentlich, evolutions-psychologisch argumentiert, für die Frau rentieren Kinder mehrerer Väter zu haben. Wird sie dadurch nicht mittellos (durch eigenes Einkommen, einen toleranten Partner oder einen hilfsbereiten Freundeskreis), kann sie ihre Gene weitergeben ohne sie an das genetische Material eines einzigen Anderen zu knüpfen, der sich vielleicht später als Inhaber ungünstiger Allele entpuppt (die sich beispielsweise erst später im Leben zu erkennen geben).

Der lesende Mann sitzt nach den letzten Sätzen möglicherweise schweißgebadet vor dem Computer, denkt an Kuckuckskinder und wird sich plötzlich erschreckender Ähnlichkeiten zwischen den Augen des Sprösslings und denen des Gärtners bewusst. Um diese Angst zu mindern entwickeln viele Frauen eine Strategie, wie Dosmukhambetova und Manstead (2011) herausfanden: Frauen in ernsthaften Beziehungen halten sich von lasterhaften Frauen fern – sie vermeiden es mit diesen auszugehen und würden sie nicht als Freundin akzeptieren. Böse Zungen mögen hier vielleicht über Neid der Treuen gegenüber der Lebefrauen spekulieren, aber festhalten lässt sich vorerst nur, dass die treue Partnerin (unbewusst) darauf bedacht ist sich von weniger treuen Zeitgenossinnen fernzuhalten.

Gerade durch die Gefahr der Kuckuckskinder ist für Männer die sexuelle Untreue ihrer Partnerin ein echtes Problem (wobei dieses Problem seit Verbreitung funktionierender Verhütungsmethoden vermindert sein sollte). Frauen dagegen, die ja teilweise noch auf die Unterstützung der Männer angewiesen sind, bewerten emotionale Untreue als deutlich schlimmer. Der Lesende darf hier ein Gedankenexperiment wagen: Könnte man es sich aussuchen, was wäre dann eigentlich schlimmer, der/die Liebste, wie er/sie leidenschaftlichen Sex mit einer anderen Person genießt oder wie er/sie eine tiefe emotionale Bindung zu dieser Person aufbaut? Kein leichtes Unterfangen zwischen worst case scenario 1 und 2 zu unterscheiden.

Tagler (2010) jedenfalls fand heraus, dass junge Männer die sexuelle Untreue tatsächlich schlimmer finden, während Frauen die emotionale Untreue schlimmer bewerten. Mit reifendem Alter und wachsender Erfahrung im „betrogen werden“, änderte sich dies allerdings: Frauen trifft die Untreue ihres Partners allgemein stärker als Männer. Dennoch führt nun, insbesondere bei Männern, die emotionale Untreue zu mehr Verzweiflung als die sexuelle Untreue.

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Die praktischen Implikationen in dieser Woche sind möglicherweise etwas bedrückend. Untreue gibt es, sogar immer wieder einmal. Frauen auf der Suche nach Langzeitpartnern sollten sich möglichst treu zeigen, was aber wiederum für die Männer heißt: Selbst wenn sie treu wirkt, ist sie das nicht zwingend. Für die Nicht-Erfolgreichen empfiehlt sich, je nach verfolgter Intention, ein selbstsicheres Auftreten, also langer direkter Blickkontakt, eine selbstbewusste Haltung und vielleicht leichter zufällig wirkender Körperkontakt. Das muss ja nicht zwingend zu abtrünnigem Verhalten führen – vielleicht bringt es auch einfach mehr Erfolg im Beruf.