früher | Juli, 2011

statistics‘ sunny side

25 Jul

Von Kopf bis Fuß paradiesisch kleidet sich dieser Sommer – selbst die statistische Wissenserweiterung bräunt (leicht) die noch blasse Wissenschaftlerinnen-Haut. Und später sehnt man sich zurück nach diesem Wein und diesem Essen, nach den inhaltlichen und sozialen Horizont-Erweiterungen und natürlich dem überschwänglichen italienischen Temperament (da ist die eigene emotionale Instabilität nichts dagegen).

Labor meets Liebe
Sex mit Superman

14 Jul

Foto von Gioia De Antoniis

Natürlich klingt Sex mit einem attraktiven Mann verlockend. Aber ist das dann auch wirklich besser als mit einem weniger attraktiven Mann? Ob eine Frau bei Superman häufiger kommt und was sich die Natur dabei denkt, versuchen einige aktuelle Studien zu beantworten.

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Eine Frau ist dann interessant für einen Mann, wenn sie jung ist, hübsch und fruchtbar. Die Qualität eines Mannes, bewertet mit den Augen einer Frau, ist komplizierter: Erfolg, Macht und Geld klingen vielversprechend (der Mann als Ressource). Doch auch gutes Aussehen ist von Vorteil (der Mann als Accessoire). Einer aktuellen Studie von Puts und Kollegen (in press) zufolge steigern Dominanz und Attraktivität zusätzlich sogar den Spaß im Bett. Doch wie untersucht man solche Fragestellungen? Der Psychologe pflegt zu fragen, obwohl Verhaltensbeobachtungen derzeit immer populärer werden. In diesem Fall wurden 110 heterosexuelle Paare nach ihren sexuellen Höhepunkten befragt und das Äußere der Männer von unbeteiligten Dritten eingeschätzt.

Puts und Kollegen konnten so zeigen, dass maskuline Männer ihre Partnerinnen allgemein häufiger zum Orgasmus bringen und dann sogar bereits vor ihrem eigenen Höhepunkt, was als besonderes sexual pleasure gilt (dabei könnte man meinen die Gleichzeitigkeit wäre das Ziel…). Mit der Attraktivität eines Mannes steigt dagegen die Wahrscheinlichkeit für einen weiblichen Orgasmus während oder nach dem Höhepunkt des Partners. Interessanterweise bleibt dieser Orgasmus steigernde Effekt bei sexuellen Handlungen ohne Fortpflanzungs-Chance aus. Nun fragt sich der Lesende sicherlich: Wozu diese Differenzierung – warum nicht sexual pleasure immer und überall und sei es zwischen der Schönen und dem Biest?

Die Evolutionspsychologie vermutet folgendes: Ein Mann mit guten Genen zeugt zum einen gesunden, süßen und intelligenten Nachwuchs und sieht außerdem attraktiv und maskulin aus. Die Frau mit Interesse an eben solchem Nachwuchs sucht deshalb bevorzugt attraktive und maskuline Männer. Landet dann dieser attraktive/maskuline Mann mit dieser jungen/hübschen/fruchtbaren Frau im Bett, dann wäre Nachwuchs, zumindest was die langfristige Erhaltung der Spezies anbelangt, von Vorteil. Die Natur nutzt diesen Vorteil für sich indem sie in dieser Konstellation die Wahrscheinlichkeit für eine Schwangerschaft erhöht: ein Orgasmus fördert eine Schwangerschaft nämlich direkt und indirekt durch (1) Beförderung des Spermas zum point of interest, (2) Erhaltung einer erhöhten Zahl fähiger Spermien, (3) verlängerter Haltbarkeit dieser Spermien und (4) wiederholten Sex zwischen diesem Mann und dieser Frau, denn wenn es einmal gut war, dann bietet sich selbstverständlich (nicht nur) eine Wiederholung an.

Foto von Rita M.

Wie maskulin und dominant ein Mann ist, hängt übrigens mit der Konzentration des Sexualhormons Testosteron zusammen. Die Testosteron-Konzentration steigt zum Beispiel dann an, wenn der Mann Interesse an einer Frau hat, diese beeindrucken oder einfach ins Bett kriegen möchte. Slatcher und Kollegen (in press) untersuchten den Einfluss von Testosteron mit einer Verhaltensbeobachtung im Labor: Je zwei Männer bekamen die Aufgabe um die Aufmerksamkeit einer jungen und attraktiven Mitarbeiterin des (ansonsten männlichen) Forscherteams zu buhlen. Männer mit viel Testosteron verhielten sich dominanter, werteten ihren Kontrahenten mehr ab und die schöne Frau fühlte sich zu diesen mehr hingezogen. Der Mann ist aber nicht nur Opfer seiner Triebe: Männer, die sich selbst generell als wenig dominant einschätzten, ließen sich nicht von ihrem Testosteron beeinflussen.

Nun ist Testosteron aber nicht nur ein Glücksbringer, sondern auch hier kommt es natürlich auf das Maß an. Wenn die Testosteron-Konzentration nämlich über das Ziel hinausschießt, dann wird aus anziehender Dominanz schnell aggressives und leichtsinniges Verhalten. Stanton und Kollegen (2011) konnten sogar noch weiter differenzieren: Sie untersuchten die Risikobereitschaft von Männern und Frauen bei mehreren Aufgaben, in denen entweder ein Geldbetrag bekannter oder unbekannter Größe gewonnen beziehungsweise verloren werden konnte. Personen mit sehr niedriger und Personen mit sehr hoher Testosteron-Konzentration (im Vergleich zu deren Geschlechtsgenossen) gingen eher ein Risiko ein als Personen mit mittlerer Testosteron-Konzentration.

Nun wirkt übertriebene Risikobereitschaft und Dominanz allgemein zwar nicht attraktiv, doch Snyder und Kollegen (2011) fanden dafür eine Ausnahme: Ängstigen sich Frauen vor Verbrechen, dann suchen sie nach einem möglichst aggressiven Partner. Was auf den ersten Blick widersprüchlich erscheinen mag, folgt durchaus einer plausiblen Abwägung: Fühle ich mich durch Überfall, Einbruch und Co besonders gefährdet, dann suche ich lieber einen beschützungs-kompetenten (also aggressiven) Mann, selbst wenn dies mit einer erhöhten Gefahr von häuslicher Gewalt einhergeht. Mit der tatsächlichen Gefahr Opfer eines Verbrechens zu werden hat diese Partnerwahl-Strategie übrigens interessanterweise nichts zu tun.

Was am Ende bleibt ist ein mitfühlendes Fazit: Der Mann und sein Testosteron haben es nicht leicht. Erhöht sich die Testosteron-Konzentration auf Superman-Niveau, so steigen bei den Männern zwar die Chancen auf eine attraktive Dame und bei den Frauen die Chancen auf guten Sex, gleichzeitig steigt aber auch aggressives und riskantes Verhalten. Doch obwohl letzteres viele Nachteile mit sich bringt, kann dem Betroffenen zumindest die Hoffnung mitgegeben werden, dass er damit vielleicht das Beschütz-mich-Gefühl der einen oder anderen ängstlichen Frau bedienen kann.

Das Urlaubs-Paradoxon

11 Jul

und heiß und kalt und heiß und kalt. Wie viele Sorgen die Optimisten-Seele dann doch mit sich schleppt wird einem bewusst, als diese bei akuter Tiefen-Entspannung plötzlich nicht mehr da sind. Und weil der Körper sich ja sonst nichts gönnt, wird er am langen-Wochenend-Ersatz-Sommer-Urlaub krank. Ein langfristig gesundheitsfördernder Lerneffekt fällt in diesem Falle schwer und deshalb wird jetzt in XXL-Arbeit abgetaucht.

Abschied in Etappen

4 Jul

Diese Lebensphase neigt sich dem Ende entgegen und das melancholische Abschiedsgefühl wird mit „Zum letzten Mal“-Aktionen befeuert. Gestern also zum vorerst letzten Mal das liebste Nachbarland (von vielen) besucht und wieder verliebt, in ruhiges Wasser, begrünte Boote, kultige Vespas, schlaksige Fotografen und gemütliche Cafés. Zum Glück wiegt trait-bedingt die Freude vor Neuem schwerer als die Trauer nach Altem. Und mit dem Neuen erleben gerade ferne Freundschaften mit guten Menschen eine glückliche Renaissance. Das Abenteuer kann beginnen…

Und zufällig noch das frisch gestencilte I did it my Wei Wei von KARMA gesehen, dessen Entstehungsprozess hier bewundert werden kann.