früher | Oktober, 2011

Labor meets Leben
Wie Frau Merkel mit Schauma ein Wahldebakel verhindern kann

24 Okt

Foto von Andy Morris

Schauen Sie auf diese Füße und ich sage Ihnen wen sie wählen. Wie Seife, Gene und Absatzschuhe auf Stimmenfang gehen.

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Der Mensch ist ein erfrischend irrationales Wesen und das beweist er auch beim Wählen. Das zeigten kürzlich auch wieder Helzer und Pizarro (2011) und proklamierten sogleich „Dirty Liberals!“. Der liberale Amerikaner, das heißt der Mensch links von der (rechten) Mitte, scheint ein schmutziger Artgenosse zu sein. Aber wie kommt man darauf? Helzer und Pizarro baten Passanten um ihre Meinung zur Politik, einmal vor einer Wand mit Desinfektions-Spender und einmal vor einer nackten Wand. Die Personen vor dem Saubermann-Accessoire gaben eine deutlich konservativere, also weniger liberale, Einstellung an. Ähnliche Reinlichkeitsgebote führen übrigens auch zu prüderen Einstellungen, denn Sex auf Omas Bett (während sie nicht da ist) wird als unmoralischer bewertet, wenn man sich vorher die Hände gesäubert hat.

Foto von HA! Designs

Doch damit nicht genug. Der Mensch lässt sich nicht nur von blitzender Reinlichkeit, sondern auch von der Körpergröße blenden. Murray und Schmitz (2011) baten Personen, einen typischen Bürger und ein ideales Staatsoberhaupt zu malen. Und der Anführer war bei 2/3 der Malenden tatsächlich größer als der Durchschnittsmensch, insgesamt immerhin 12%. Außerdem fanden sie heraus, dass große Männer sich auch selbst eher zutrauten die Führung zu übernehmen. Ob dieser Effekt kulturübergreifend gültig ist, ist allerdings noch unklar, zumindest die Franzosen scheinen mit Napoleon und Sarkozy diesbezüglich etwas nachsichtiger zu sein.

Foto von Beverly & Pack

Vermutlich noch überraschender ist der Flaggen-Effekt. Carter und Kollegen (2011) konnten den großen Einfluss einer kleinen Flagge belegen: Personen wurden gebeten online über ihre politischen Ansichten Auskunft zu geben. Personen, die neben den Fragen auf dem Bildschirm eine kleine US-Flagge sahen, hatten dadurch eine konservativere Einstellung und wählten eher die Republikaner. Und das galt selbst für die Anhänger der liberalen Partei. Noch schlimmer: Dieser Effekt hielt über 8 Monate an!

Neben den zahlreichen oberflächlichen Merkmalen, gibt es aber auch Merkmale, die von innen heraus die politische Einstellung bestimmen. Das fand der gute Christian Kandler mit Kollegen kürzlich heraus (2011): Denn die politische Einstellung wird über die Gene von den Eltern an die Kinder weitergereicht. Unter diesem Gesichtspunkt kommt einer wohlüberlegten Partnerwahl noch einmal eine besondere Bedeutung zu. Leider ist die politische Einstellung nicht unbedingt sexy. Klofstad und Kollegen (in press) fanden heraus, dass es beim Online-Dating verbreiteter ist sich als übergewichtig anzupreisen, als jegliche politische Einstellung anzugeben. Offenbart dann doch mal jemand seine politische Gesinnung, dann handelt es sich mit höherer Wahrscheinlichkeit um Männer und ältere, gebildete und reichere Personen.

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Man fragt sich bei solchen Studien zum Teil warum der Mensch so absurd beeinflussbar ist. Warum strahlt der große Mensch Führungsstärke aus und warum führen Flagge und Reinlichkeit zu Konservatismus? Unterstellt der Ur-Instinkt beim Anblick großer Menschen tatsächlich weiterhin Beschützerqualitäten? Weckt eine Flagge das Einheitsgefühl und lässt den Amerikaner dann so werden, wie er oder sie sich den typischen Amerikaner vorstellt (nämlich konservativ)? Und hat der konservative Moralapostel nicht nur bildlich eine weiße Weste?

Aber anstatt aufgrund dieser Manipulierbarkeit zu resignieren und ideologische Ziele anzuzweifeln, hilft es vielleicht die eigene Rationalität wieder auszupacken. Vielleicht kann dabei ja der Wahl-o-mat weiterhelfen. Und Frau Merkel? Vielleicht sollte die CDU mal Duschbad und Shampoo verteilen, jeweils 8 Monate vor der Wahl, denn die Wirksamkeit ist wissenschaftlich nahezu erwiesen…

Foto von Chris Devers, Motiv von Banksy

Labor meets Liebe
Suche kochenden Betthasen

10 Okt

Foto von Rosa Pomar

Attraktiv soll er sein, erfolgreich und natürlich gut im Bett. Den Anforderungen an den idealen Partner sind kaum Grenzen gesetzt. Aber was verlangen Max und Erika Mustermann eigentlich von ihrem Traumpartner? Und wie lassen sich Wunsch und Wirklichkeit verknüpfen?

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Wer wen warum sucht, damit beschäftigte sich erstmals umfassend Buss (1989) in einer großen interkulturellen Studie. Am wichtigsten war den Befragten damals ein freundlicher/verständnisvoller und intelligenter Partner. Im Vergleich zu den Männern schätzt die klassische Frau von Welt an einem Traumprinzen besonders seine finanzielle Ausstattung. Und dies gilt für Frauen aus Deutschland und den USA genauso wie für Frauen aus Nigeria, Taiwan, Polen oder Brasilien. Im Vergleich zu Frauen achten Männer dagegen besonders auf das Aussehen der Traumprinzessin. Und auf ihr Alter, denn jünger sollte sie sein. Wenige Monate nur in Finnland, aber immerhin 7 Jahre jünger in Sambia.

Frauen suchen passenderweise nach einem älteren Mann und präferieren dabei im Schnitt sogar einen größeren Altersunterschied als Männer. Während die deutschen Männer in den 80er Jahren noch eine zweieinhalb Jahre jüngere Ehefrau suchten, suchten deutsche Frauen einen fast 4 Jahre älteren Ehemann (tatsächlich lagen im Durchschnitt etwas mehr als 3 Jahre zwischen Herrn und Frau Mustermann, man traf sich also kompromissbereit in der Mitte). Und warum diese Unterschiede? Kurz: Die mittellose Frau sucht einen beschützenden Ernährer, der Mann eine fruchtbare Frau. Man fragt sich doch, wann die finanzielle Unabhängigkeit der Frauen und die Fruchtbarkeitstricks der Medizin dieses Beuteschema obsolet werden lässt.

Arme, schöne Frau sucht reichen Mann, der schöne Frau sucht

Wie groß der Unterschied zwischen Wunsch und Wirklichkeit dann aber sein kann, zeigten Eastwick und Finkel (2008): Auch sie befragten Personen nach ihrem Idealpartner und während Männer auch hier wieder von jungen, gutaussehenden Damen träumten, dachten Frauen wieder hauptsächlich ans Geld. Ließ man diese Personen danach jedoch im Speed-Dating einander kennenlernen war auf einmal alles ganz anders. Denn nun hatten sowohl Männer als auch Frauen vergleichbar starkes Interesse an attraktiven und gutsituierten Personen (wobei gutes Aussehen deutlich wichtiger ist als viel Geld). Gleich und gleich gesellt sich gern galt in diesem Kontext also nicht: Je mehr Geld oder Attraktivität desto begehrter.

Man stelle sich vor: Könnte man wählen zwischen einem attraktiven, kulturell bewanderten Mann mit leidlicher Intelligenz und einem vergleichbaren Prachtexemplar mit hoher Intelligenz, so würde man wohl in wenn-schon-denn-schon-Manier die intelligente Version wählen. Um diese Maßlosigkeit zu begrenzen, müssen im Traumprinzenland von Li und Kollegen (2002) Prioritäten gesetzt werden. Unter diesen Bedingungen stellen Frauen zuerst sicher, dass ihr Idealpartner einen mindestens durchschnittlichen sozialen Status hat, während Männer auf eine mindestens durchschnittliche Attraktivität achten. Ganz besonders wichtig war hier auch wieder die Intelligenz, dicht gefolgt von Freundlichkeit. Die Freundlichkeit stellt, laut Autoren, sicher, dass die wünschenswerten Ressourcen (Geld beziehungsweise Körper) dem Partner auch zur Verfügung gestellt werden. Denn was bringt das volle Portemonnaie oder der schlank-runde Körper, wenn beides ungenutzt einstaubt…

Reichtum und Attraktivität nützen nur, wenn man sie auch teilt…

Abseits der Partner-fürs-Leben-Suche sind sich Männer und Frauen bei der Suche nach kurzfristigem Liebesglück laut einer Studie von Li und Kenrick (2006) jedoch recht ähnlich. Hier zählt für alle Beteiligten vor allem das Aussehen. Männer sind diesbezüglich jedoch kompromissbereiter und Frauen etwas wählerischer. Als Hauptgrund für Gelegenheitssex geben beide Geschlechter an: „I was physically attracted to the person, and I thought it would feel good“. Der zweittypischste Grund unter Frauen ist, dass sie sich eigentlich eine langfristige Beziehung wünschen und mit dem Gelegenheitssex den Appetit anregen wollen. Weniger romantisch ist das bei den Männern: der zweittypischste Grund für ein Intermezzo ist lediglich das Austesten des eigenen Wertes auf dem Partnermarkt.

Foto von Dan Foy

Doch was tun, wenn man per Standardeinstellung nicht zu den schönsten, reichsten, klügsten und nettesten Menschen gehört? Verstecken und auf bessere Zeiten warten? Für Frauen kann es helfen den passenden Zeitpunkt abzupassen: In den Tagen höchster Fruchtbarkeit werden Frauen nicht nur schöner, sondern laut einer Studie von Markey und Markey (2011) auch warmherziger. Hoffnungsvoll lässt auch das Ergebnis von Fletcher und Kollegen (2000) stimmen: Diese fanden nämlich heraus, dass sich der Idealpartner mit der Zeit an den tatsächlichen Partner angleicht. Hat man erst einmal eine Passung zu dem hypothetischen Idealpartner des Liebsten erreicht, bringt diese dann auch verdientermaßen Beziehungszufriedenheit und –stabilität.

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Vom Labor hin zum echten Leben: Bei Überlegungen zum idealen Partner neigt der Mensch zur Maßlosigkeit. Etwas weniger anspruchsvoll geht es bei reinen Kurzzeit-Bettgeschichten zu, der Mann ist allgemein sehr aufgeschlossen und sei es nur um seinen Marktwert zu testen und die Frau lässt sich auch ohne Million auf dem Konto von einem großen, muskulösen Mann überzeugen. Aber: All die bezaubernden Eigenschaften (→ Geld und Attraktivität) entfalten natürlich nur ihre Wirkung, wenn man auch bereit ist diese mit dem Partner zu teilen…

Wer keine Lust mehr hat auf seinen Traumpartner zu warten, der kann sich diesen (in der Zwischenzeit) auch backen (→Traumprinz und →Traumprinzessin), aufpusten (→Traumprinz und →Traumprinzessin), kneten (→Traumprinz und →Traumprinzessin) oder falten (→Traumprinz).

Und abschließend:

Zeichnung von Robin Ator

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Vielen Dank an dieser Stelle an Sascha, der mich auf die Li-Studien aufmerksam machte!