früher | Februar, 2013

Labor meets Liebe
Liebst du dich?

25 Feb

Bild von Caravaggio (über Wikipedia)

Zu den Vorzügen und Tücken äußerlicher Ähnlichkeit: Wie anziehend fänden wir uns selbst als Partner/in? Und ist die Liebe zu uns selbst eher förderlich oder hinderlich für unsere Partnerschaft?

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Narziss, ein Sohn der griechischen Mythologie, war so von seiner Selbstliebe erfüllt, dass er sich in sein eigenes Spiegelbild verliebte. Und diese Liebe endete tödlich, denn als er sich seinem im Wasser spiegelnden Selbst entgegen beugte, fiel er ins Wasser und ertrank. Nun ist die Selbstliebe im Allgemeinen nicht ganz so unersättlich wie bei oben beschriebenem Jüngling und endet wohl auch meist nicht so desaströs. Manche Lebensweisheit suggeriert sogar, dass man erst dann andere lieben kann, wenn man sich selbst liebt. Aber: Wie anziehend finden wir uns denn nun eigentlich selbst? Und wie wirkt sich das auf unsere Beziehungen aus?

Chris Fraley und Michael Marks (2010) sind dieser Frage nachgegangen und haben Personen in ihr Labor gebeten und sie fotografiert. In einem späteren und scheinbar unabhängigen Experiment sollten diese Personen die sexuelle Attraktivität von fotografierten Personen bewerten. Dabei handelte es sich allerdings nicht um tatsächliche Personen, sondern um gemorphte Gesichter, bei denen Fotos von unbekannten Personen und das zuvor von ihnen gemachte Foto optisch vermischt wurden. Sahen Personen gemorphte Fotos, in denen ihr Bild enthalten war, dann fanden sie dieses bedeutend attraktiver als gemorphte Fotos von unbekannten Personen. Personen fühlten sich also sexuell stärker zu Personen hingezogen, die ihnen ähnelten.

Das Ergebnis dieser Studie würde bedeuten, dass Menschen dazu tendieren, sich genetisch ähnliche Partner zu suchen. Zwar passt dies famos zu dem altbekannten Sprichwort „Gleich und Gleich gesellt sich gern“, geht aber mit dem Risiko einher, sich mit genetisch zu ähnlichen Personen, nämlich Verwandten, zu paaren. Tatsächlich fanden Fraley und Marks (2010) in einer weiteren Studie, dass die sexuelle Anziehung rapide sank, sobald die Personen wussten, dass es sich bei den Fotos um gemorphte Bilder ihres eigenen Fotos handeln könnte. Der Gefahr vor übergroßer Ähnlichkeit bei Paaren scheint also entgegengewirkt zu werden, indem genetische Überähnlichkeit tabuisiert wird.

Diese Form der Selbstliebe scheint sich jedoch nicht nur auf potentielle Partner, also das andere Geschlecht, zu beziehen: Lisa DeBruine (2004) zeigte Personen jeweils zwei gemorphte Fotos gleichzeitig und bat sie anzugeben, welche der beiden abgebildeten Personen sie attraktiver finden. Sie bezog sich dabei nicht nur auf die sexuelle Attraktivität, sondern gutes Aussehen im Allgemeinen. Wieder fanden die Befragten die Personen attraktiver, in denen ihr eigenes Foto beim Morphing berücksichtigt wurde. Dies galt sowohl für Männer als auch für Frauen und sowohl für männliche als auch für weibliche gemorphte Gesichter.

Allerdings war der Effekt besonders ausgeprägt, wenn die gemorphte Person das gleiche Geschlecht hatte wie die bewertende Person. Das heißt: Frauen finden ihnen ähnliche Frauen attraktiver, Männer ihnen ähnliche Männer, aber nicht unbedingt ihnen ähnliche Personen des anderen Geschlechts. Das spricht dafür, dass wir Personen positiver sehen, die uns ähnlich sind, weil sie uns zum Beispiel vertrauter sind, dass unsere Partnerwahl davon jedoch deutlich weniger beeinflusst ist. Zu einem ähnlichen Ergebnis kamen übrigens Robert Zajonc und Kollegen (1987): Sie fanden, dass sich Paare kurz nach der Hochzeit zwar noch wenig ähnelten, sich aber nach 25 Ehejahren überzufällig ähnlich sahen. Und diese Ähnlichkeit war besonders bei den Paaren ausgeprägt, die in einer glücklichen Beziehung lebten.

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Schauen wir auch über den Tellerrand dieser Befunde hinaus, sprechen die meisten Studien dafür, dass eine übersteigerte Selbstliebe (→ hoher Narzissmus) zu vielen Komplikationen führt und stabile, glückliche Partnerschaften nahezu aussichtslos werden lässt. Genauso aber scheint ein Minimum an Selbstliebe (→ geringer Neurotizismus) notwendig zu sein um eine erfüllte Beziehung zu führen.

Darüber hinaus scheinen wir uns unbewusst Personen hingezogen zu fühlen, die uns ähnlich sehen, wobei dies besonders stark für Personen des gleichen Geschlechts gilt. Sind wir uns einer genetischen Ähnlichkeit bewusst, kommen andere Mechanismen, wie gesellschaftliche Normen hinzu, die uns vom Risiko des Inzests bewahren. Kann eine genetische Überähnlichkeit jedoch ausgeschlossen werden, verspricht eine äußerliche Ähnlichkeit womöglich eine erfolgreiche Beziehung.

Labor meets Liebe
Rot wie die Liebe?

11 Feb

Foto von Liz Kasameyer

Rot ist die Farbe der Liebe. So wird es häufig angenommen. Aber: Rot ist vielmehr die Farbe der sexuellen Anziehung. Denn die Farbe Rot ist ein hervorragendes Aphrodisiakum. Aber in festen Partnerschaften eher nicht empfehlenswert.

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Mit „Romantic Red“ beginnt, ungewohnt sentimental, ein Artikel von Andrew Elliot und Daniela Niesta aus dem Jahr 2008. Ganz so romantisch ging es im Labor allerdings nicht zu: Junge Männer sahen Fotos von jungen Frauen in unterschiedlich gefärbten Oberteilen vor unterschiedlich gefärbten Hintergründen und wurden dazu befragt. Sahen sie eine lady in red, dann fanden sie die Frau attraktiver, fühlten sich zu dieser sexuell stärker hingezogen und gaben an, sie eher um ein Date bitten und mit ihr im Bett landen zu wollen als junge Männer, die dieselben Frauen mit anders eingefärbten Oberteilen vor andersfarbigen Hintergründen sahen.

Sascha Schwarz und Marie Singer fanden in einer aktuellen Studie heraus, dass dieser Farb-Effekt jedoch nur für junge Frauen gilt. Sie befragten Männer unterschiedlichen Alters zu einer jungen oder mittelalten Frau vor einem roten oder weißen Hintergrund. Allgemein fühlten sich die Männer der jungen Frau stärker hingezogen und zwar unabhängig davon ob sie selbst jung oder mittelalt waren. Interessanterweise verstärkte die Farbe Rot darüber hinaus die sexuelle Anziehung zu der jungen Frau, während die sexuelle Anziehung zu der mittelalten Frau von dieser Farbe unbeeinflusst war.

Doch warum lassen sich Männer durch diese Farbe so stark bezirzen? Die Autoren der oben vorgestellten Studien zeigen zwei mögliche Ursachen für diesen Farb-Effekt auf: Entweder geht dieser Effekt auf biologische Triebe zurück, die Rot mit einem erhöhten Östrogenspiegel verbinden, da Östrogen zu einer Erhöhung der Durchblutung und dadurch eher zu Errötung führen kann. Die Farbe Rot signalisiert also eine hohe Fruchtbarkeit und weckt damit das Interesse der Männer. Frauen nach der Menopause profitieren jedoch nicht von diesem Effekt, da sich die Frage der mehr oder weniger stark ausgeprägten Fruchtbarkeit nicht mehr stellt.

Eine alternative Erklärung ist, dass die Farbe Rot in unserer heutigen Gesellschaft hauptsächlich mit roter Unterwäsche oder Rotlichtvierteln assoziiert wird, weshalb wir gelernt haben diese Farbe mit sexueller Verfügbarkeit zu verbinden. Zumindest scheint dieser Farb-Effekt für Männer ungeahnt zu sein. Sie selbst führten ihre Anziehung nämlich auf das Gesicht oder die Kleidung der Frau zurück. Auch beeinflusste die Farbe Rot weder die Sympathie, die ein Mann hegte, noch seine Einschätzung der Freundlichkeit oder Intelligenz der abgebildeten Frau.

Für das wahre Leben lässt sich aus solchen Befunden ableiten, dass Rot eben doch nicht die Farbe der Liebe ist, sondern eher mit Sexualität (genauer: Sex mit bisher unbekannten jungen Frauen) assoziiert wird. Eine Frau ist deshalb mit roter Kleidung gut beraten, wenn sie entweder auf der Suche nach einer Affäre ist oder aufgrund ihrer erhöhten sexuellen Anziehungskraft Aufmerksamkeit wecken möchte um damit eventuell auch eine längerfristige Beziehung zu ermöglichen. Rote Kleidung wird ihre Chancen auf Erfolg im Mittel jedenfalls entweder erhöhen (wenn sie jung ist) oder unbeeinflusst lassen (wenn sie älter ist).

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Bei der (natürlich jugendfreien) Besprechung dieses Blog-Artikels am Familien-Frühstückstisch stellte sich heraus, dass die Farbe Rot durchaus auch negative Auswirkungen haben kann. Wie meine Tochter aus ihrer Geolino zu berichten wusste, können rote Rosen zu mehr Streit führen als andersfarbige Rosen. Dafür spricht das Ergebnis einer Studie von Florence Dupont, in der sie beobachtete, dass Paare, die über eine Woche hinweg rote Rosen im Wohnzimmer stehen hatten, deutlich gereizterer Stimmung waren als Paare, die rosa- oder apricot-farbene Rosen erhielten. Rote Rosen am kommenden Donnerstag sind also möglicherweise doch nicht die beste Wahl.