frauen in der wissenschaft.
tenure track: chance für geschlechtergerechtigkeit?

20 Okt

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Die Leaky Pipeline: Abbildung vom Bundesministerium für Bildung und Forschung

Wir sind weit entfernt von einem ausgeglichenen Geschlechterverhältnis in der Wissenschaft, denn noch immer sinkt der Frauenanteil substantiell mit steigender Karrierestufe. Unter den begehrten W3-Professuren sind momentan vier von fünf Professuren von Männern besetzt. Aber die Zahl der Frauen in der Wissenschaft steigt, wenn auch nur sehr langsam. Behalten wir die Entwicklung der letzten 10 Jahre bei, dann können wir erst in 40 Jahren mit einem ausgeglichenen Geschlechterverhältnis bei W3-Professuren rechnen.

Zum Glück gibt es Menschen in der Politik und Wissenschaft, die das ändern möchten. Zum Beispiel die Mitglieder der Arbeitsgruppe „Frauenförderung im Bereich der Wissenschaft“ der GFMK, der Gleichstellungs- und Frauenministerkonferenz. Die GFMK ist ein Zusammenschluss der Gleichstellungs- und FrauenministerInnen und -senatorInnen der Länder. Sie hat das Ziel, die Benachteiligung von Frauen und Männern in Deutschland abzubauen, auch in der Wissenschaft.

Ob der Nachwuchspakt, der die Schaffung von 1.000 zusätzlichen Tenure-Track-Professuren vorsieht, den Anteil an Frauen bei den Professuren erhöhen könne, fragte mich diese Arbeitsgruppe und lud mich für einen Vortrag zu ihrer heutigen Sitzung ein. Tatsächlich spricht einiges dafür, dass Tenure-Track-Programme das bestehende Ungleichgewicht der Geschlechter nicht verschlimmern. Nur: Sie werden das Ungleichgewicht wohl auch nicht substantiell verbessern.

Meiner Meinung nach ist die Förderung von Chancengerechtigkeit in der Wissenschaft unmittelbar mit der Verbesserung beruflicher Perspektiven für den wissenschaftlichen Nachwuchs verknüpft. Wir brauchen mehr Professuren in Deutschland um diese Perspektiven zu verbessern und um alle Anforderungen, die an die Hochschulen gestellt werden, bewältigen zu können. Das ist besonders für Frauen wichtig, die in höherem Ausmaß von mangelnden Perspektiven betroffen sind und deshalb die Wissenschaft zu oft verlassen. Wichtig ist, zusätzliche Professuren für Frauen zu schaffen und bei der Besetzung von regulären Professuren Zielquoten festzulegen, die deutlich über das Kaskadenmodell hinausgehen.

Mehr Informationen zu meinem Vortrag gibt es hier: Vortragsfolien

Besonderer Dank für den anregenden Austausch zu diesem Thema gilt den Mitgliedern der Arbeitsgruppe Wissenschaftspolitik der Jungen Akademie und meinen neuen Kolleginnen und Kollegen an der Uni Lübeck!