kampagnenstart brain city.
botschafterin für den wissenschaftsstandort berlin.

9 Mrz

BrainCityBerlin_Jule_Specht

Berlin gehört zu den größten und innovativsten Wissenschaftsstandorten in Europa. An 4 Universitäten, 7 Fachhochschulen, über 30 Privathochschulen und mehr als 70 außeruniversitären Einrichtungen wird hier eifrig und vielfältig geforscht. Die neue Kampagne Brain City möchte dieses einzigartige Potenzial in der öffentlichen Wahrnehmung stärker verankern und Talente aus Wissenschaft und Wirtschaft für Berlin begeistern. Sie wurde von Berlin Partner für Wirtschaft und Technologie ins Leben gerufen, die mit dieser Aufgabe wiederum vom Berliner Senat beauftragt wurden.

Meine Begeisterung für die Stadt als eine von vorerst 9 Botschafterinnen und Botschaftern für den Wissenschaftsstandort Berlin zeigen zu können, freut mich natürlich sehr. Damit die Kampagne bald so bunt wird wie die Stadt selbst, können sich weitere begeisterte Berliner Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler auch als Botschafterin und Botschafter engagieren. Weitere Informationen dazu gibt es hier.

Und übrigens: Heute ist Kampagnenstart und für zwei Wochen werden die ersten Kampagnen-Plakate den Platz der Berlinale-Plakate von George Clooney und Co in der Potsdamer Straße vor der Stabi einnehmen:

BrainCityBerlin_Jule_Specht_Kampagnenstart

gastkommentar im zeit chancen brief.
mehr professuren und weniger mittelbau!

21 Jan

Zeit Chancen Brief

Die Universitätslandschaft wandelt sich, leider nicht überall zum Guten. Zwar steigt die Zahl der Professuren leicht an, dies geht jedoch, wie der Deutsche Hochschulverband kürzlich feststellte, maßgeblich auf befristete Professuren zurück und kann mit dem Anstieg der Studierendenzahl nicht mithalten. Nicht nur das Betreuungsverhältnis verschlechtert sich so weiterhin, auch das Missverhältnis zwischen wissenschaftlichem Nachwuchs und unbefristeten Professuren spitzt sich zu. Ursachen sind die mangelnden Grundmittel der Universitäten und die wachsende Bedeutung zeitlich befristeter Drittmittel (z.B. von der DFG), die nach Angaben der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften mittlerweile knapp 50 Prozent der universitären Forschungsausgaben ausmachen.

Im Gegensatz zu den finanzstarken Drittmittelgebern können Universitäten zeitlich unbefristete Stellen schaffen. Sie tun das allerdings momentan zu wenig – sondern investieren, zusätzlich zu den Drittmittelgebern, in den Mittelbau und finanzieren dort befristete Qualifikationsstellen. Auf diese Weise verschärft sich das Missverhältnis zwischen Nachwuchs und Professuren. Besser wäre es, wenn die Universitäten ihre Ressourcen nutzten um mehr zeitlich unbefristete Perspektiven zu schaffen – indem sie die Zahl selbstständig forschender und lehrender Professorinnen und Professoren deutlich erhöhen.

Ein solcher Strukturwandel – hin zu mehr Professuren und weniger Mittelbau – muss nicht zwangsläufig etwas kosten, wie die Junge Akademie vorgerechnet hat. Und die Konsequenzen sind vielversprechend: Es ergeben sich bessere Perspektiven für den wissenschaftlichen Nachwuchs, die auch nachdrücklich vom Wissenschaftsrat und dem Bundesministerium für Bildung und Forschung eingefordert werden. Es schafft darüber hinaus mehr personelle Ressourcen für die Einwerbung von Drittmitteln. Aufgaben der Lehre, Prüfung und Selbstverwaltung würden zudem auf mehr Schultern verteilt, was nicht nur das Betreuungsverhältnis verbesserte, sondern den Professorinnen und Professoren auch mehr Zeit für Forschung verschaffte. Ein Wandel hin zum Besseren ist möglich – wer macht mit?

Jule Specht ist Juniorprofessorin im Fach Psychologie an der Freien Universität Berlin und setzte sich als Mitglied der Jungen Akademie kürzlich mit der Berufungspraxis bei Juniorprofessuren auseinander.

***

Dieser Gastkommentar erschien heute im ZEIT Chancen Brief. In diesem kostenlosen Hochschul-Newsletter der Wochenzeitung DIE ZEIT werden montags und donnerstags Berichte zu hochschulpolitischen Themen zusammengestellt. Anmelden kann man sich dafür hier.

berufungspraxis bei juniorprofessuren in deutschland 2005-2013.
neue studie der jungen akademie.

19 Okt

Schularick, Specht, Baumbach et al. (2015), Die Junge Akademie

Um Perspektiven für den wissenschaftlichen Nachwuchs zu schaffen, wird aktuell diskutiert, die Juniorprofessur als einen ‚Standardweg‘ zur Lebenszeitprofessur zu etablieren. Die sich abzeichnende Aufwertung der Juniorprofessur im deutschen Wissenschaftssystem steht jedoch in deutlichem Kontrast zu den spärlichen Informationen, die derzeit zur Berufungspraxis bei Juniorprofessuren vorliegen. Wir sind der Berufungspraxis bei Juniorprofessuren systematisch auf den Grund gegangen, indem wir Daten zu Berufungen für die Jahre 2005 bis 2013 an deutschen Universitäten erhoben haben.

Wie die Studie zeigt, gibt es zwischen den deutschen Universitäten starke Unterschiede in der Berufungspraxis bei Juniorprofessuren. Von einer einheitlichen Basis für die Einführung von ‚Tenure Track‘-Professuren, die einen transparenten und national wie international vergleichbaren Karriereweg schaffen könnten, ist die deutsche Universitätslandschaft weit entfernt. Die uneinheitliche Umsetzung betrifft zum einen die zahlenmäßig großen Unterschiede bei der Einführung von Juniorprofessuren an den Universitäten. Zum anderen betreffen diese Unterschiede den Anteil ‚interner‘ Berufungen. Aufbauend auf diesen Ergebnissen fordern wir eine Vereinheitlichung der Standards und ein Hausberufungsverbot für JuniorprofessorInnen. Dieses Verbot ist notwendig, da mitunter bis zu 50 Prozent der Stellen mit internen KandidatInnen besetzt werden.

Entstanden ist die Studie im Rahmen der interdisziplinären Arbeitsgruppe Wissenschaftspolitik der Jungen Akademie. Sie ist die erste umfassende und systematische Untersuchung zur Einrichtung und Besetzung von Juniorprofessuren an deutschen Universitäten. Die drei AutorInnen Moritz Schularick (Universität Bonn), Jule Specht (Freie Universität Berlin) und Sibylle Baumbach (Universität Innsbruck) wurden dabei von 37 weiteren aktiven und ehemaligen Mitgliedern der Jungen Akademie unterstützt.

Die Studie ist frei verfügbar und kann unter folgendem Link gelesen werden:
Schularick, M., Specht, J., & Baumbach, S. et al. (2015). Berufungspraxis bei Juniorprofessuren in Deutschland 2005-2013. Berlin: Die Junge Akademie. (ISBN: 978-3-00-050910-0)

Die Pressemitteilung zur Studie gibt es hier.

Presseberichte:

  • Der Spiegel: In der Print-Ausgabe vom 17.10.2015 (Der Spiegel 43/2015, S. 25)
  • Der Tagesspiegel: Eigene Kandidaten bevorzugt – „Intransparent“, „uneinheitlich“: Die Junge Akademie kritisiert die bisherige Ausgestaltung der Juniorprofessuren – und erklärt, was sich ändern sollte. (von Amory Burchard)
  • Die Zeit: Nur der eigene Nachwuchs wird befördert – Eigentlich soll es mehr Juniorprofessuren geben, um Karriere an der Uni wieder attraktiver zu machen. Doch eine Studie kritisiert die vielen Berufungen im eigenen Haus. (Reprint Tagesspiegel)
  • Die taz: Doktoranden fördern – Viele Universitäten bevorzugen eigene Mitarbeiter für Juniorprofessuren, bemerkt eine aktuelle Studie. Ein Autor spricht von einem „Riesenproblem“. (von Ralf Pauli)
  • Forschung & Lehre (Herausgeber: Deutscher Hochschulverband): Berufungspraxis bei Juniorprofessuren 2005 bis 2013 – Ergebnisse einer aktuellen Studie. (Zusammenfassung von Felix Grigat)
  • FAZ: Wege durch den Flaschenhals – Das deutsche Hochschulsystem leidet unter einer unfassbaren personellen Asymmetrie. Ein Heer von ausgebeuteten Assistenten drängt auf wenige Professuren. Dabei fehlt es nicht an Vorschlägen zur Reform. (von Thomas Thiel)

Die Junge Akademie:
Die Junge Akademie wurde im Jahr 2000 als weltweit erste Akademie für herausragende junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ins Leben gerufen. Ihre Mitglieder stammen aus allen wissenschaftlichen Disziplinen sowie aus dem künstlerischen Bereich – sie loten Potenzial und Grenzen interdisziplinärer Arbeit in immer neuen Projekten aus, wollen Wissenschaft und Gesellschaft ins Gespräch miteinander und neue Impulse in die wissenschaftspolitische Diskussion bringen. Die Junge Akademie wird gemeinsam von der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften (BBAW) und der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina getragen. Weitere Informationen zur Jungen Akademie gibt es hier: http://www.diejungeakademie.de